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Zum Tode von Fritz Wunderlich (+17.9.1966)

Guy Wagner


 


Unvergesslich, unvergessen

Fritz Wunderlich, der große Tenor, ist gestorben. Im Jagdhaus eines Freundes stürzte er und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, an denen er verschied.

Sein Tod ist einer der „größten Verluste in der deutschen Opernkunst" (Rudolf Hartmann}

Das Ungewöhnliche an Fritz Wunderlich war seine intelligente Musikalität. Jede seiner Darbietungen, ob sie aus dem Bereich der Oper, des Singspiels, der Operette, des Oratoriums, des Liedes oder der Folklore stammte, lebte aus ihr. Man fühlte das Verantwortungsbewußtsein des Künstlers. Es ermöglichte ihm, sich in den musikalischen Gehalt des Werkes einzuleben und ihn dank einer ungewöhnlich warmen lyrischen Tenorstimme voll jugendlichen Glanzes und Vitalität zur künstlerischen Aussage zu führen.
Fritz Wunderlich war vielleicht der einzige deutsche Tenor der jüngeren Generation, dem der Anschluß an die internationale Sängerelite geglückt ist, und der sich noch lange dort behauptet hätte. In den wenigen Jahren, in denen er sich durch seinen Fleiß und sein Bestreben zu einem wahren Künstler und einzigartigen Mozart- und Strauss-Interpreten emporgerungen hatte, zeigten, wie wandlungsfähig er war und welche Reife er noch durchlebt hätte.

Fritz Wunderlich wurde am 26. September 1930 in Kusel in der Pfalz geboren. Im Saarbrücker Konservatoriumsleiter Joseph Müller-Blattau fand er einen unschätzbaren Mentor. Von 1950 bis 1955 studierte er an der Freiburger Musikhochschule. Währenddessen verdiente er sich sein Brot als Leiter einer Tanzkapelle von Musikstudenten. 1955 erhielt er eine Verpflichtung an die Stuttgarter Staatsoper. In der Spielzeit 1959 60 hatte er einen Gastvertrag mit München und 1960 ließ er sich dort endgültig nieder. Schon bald wurde er zum bayrischen Kammersänger ernannt.

Fritz Wunderlich trat in zahlreichen Festspielstädten erfolgreich auf. Mit Satzburg war er besonders eng verbunden, da ihm dort der große künstlerische Durchbruch im Jahre 1959 gelang. In der jetzigen Spielzeit sollte er sein Debüt an der Metropolitan Opera geben.

Der Tod riß den jungen begnadeten Künstler aus einer vielversprechenden Laufbahn heraus und machte alle Hoffnungen, die die Musikwelt in ihn gesetzt hatte, zunichte. Doch die Schallplattenindustrie hat in zahlreichen Aufnahmen der verschiedensten Sparten seine Stimme festgehalten. Sie sind uns nun kostbares Zeugnis und Vermächtnis. Auf seiner Aufnahme mit Liedinterpretationen (DGG 139 125) singt Fritz Wunderlich Schuberts Lied „Im Abendrot", und schmerzlich berühren uns nun die Worte:

„Und dies Herz, eh es zusammenbricht, trinkt noch Glut und schlürft noch Licht."


© Guy Wagner, théâtre n°9, octobre 1966

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