Bernhard Wicki gilt als deutscher Schauspieler und Regisseur, obwohl er in Österreich geboren wurde, und zwar am 28. Oktober 1919 in St. Pölten.
Er studierte in Wien und Berlin. Als Theaterschauspieler ist er in Wien, Berlin, Bremen, München und Zürich aufgetreten, bevor er zu einer Schlüsselfigur des Nachkriegsfilms in Deutschland wurde, da er einer der wenigsten war, die sich mit der rezenten deutschen Geschichte auseinandersetzten und die Arbeiten des Neuen Deutschen Films vorwegnahm.
Der Schauspieler
Mit zwei Filmen anderer Antikriegsregisseure begann seine Filmkarriere. Wicki spielte in „Der fallende Stern“ (1950) von Harald Braun und in „Die letzte Brücke" (1954) von Helmut Käutner beeindruckte er als jugoslawischer Partisan. In G.W. Pabsts Film „Es geschah am 20. Juli“ (1956) spielte er den Grafen von Stauffenberg, und Michelangelo Antonioni verpflichtete ihn für sein Meisterwerk „La Notte“ (1961), in dem er den sterbenden Freund spielt.
Nach über 15 Jahren Spielpause, während denen Wicki sich als Theaterschauspieler aber vor allem als Regisseur hervortat, stellte er sich 1976 wieder vor die Kamera. 1978 wirkte er an Peter Handkes Film „Die linkshändige Frau“, 1980 drehte er mit Bertrand Tavernier in „La Mort en direct“, 1984 beteiligte er sich an dem mit dem Oscar für den besten ausländischen Film gekrönten: „La Diagonale du fou“ von Richard Dembo.
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Bernhard Wicki

Agnes Fink
photographiert von
Bernhard Wicki
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Im gleichen Jahr war er außerdem in drei andern Filmen mit internationaler Resonanz zu sehen: In „Eine Liebe in Deutschland“ von Andrzej Wajda, im legendären „Paris,Texas“ von Wim Wenders, wo er die Figur des Dr. Ulmer verkörperte, und in der „Frühlingssinfonie“ von Peter Schamoni, einem Film über die dramatische Beziehung zwischen Robert Schumann und Clara Wieck, in dem er der Figur des Barons von Fricken eine starke Charakterisierung verlieh.
Der Regisseur
Als Filmregisseur gewann Bernhard Wicki auf Anhieb Beachtung. Sein erstes Werk war ein Dokumentarfilm: „Warum sind sie gegen uns?“ (1958), in dem er sich kritisch mit der Stellung der Jugendlichen in der Erwachsenen-Gesellschaft auseinandersetzte. International wurde er bekannt durch seinen geschickt gemachten Antikriegsfilm: „Die Brücke“ (1960), in dem in der Hitlerjugend rekrutierte Kinder eine Brücke gegen den „Feind“ halten sollen und sinnlos draufgehen. Der Film war „allerdings in der Analyse der Wirkungen treffender (...) als in der der Ursachen, die vage blieben“ (rororo Filmlexikon).
Ein Jahr später wurde Wicki als bester Regisseur für „Das Wunder des Malachias“ bei den Berliner Filmfestwochen ausgezeichnet. Internationale Wertschätzung gewann er, als er beauftragt wurde, 1962 die „deutschen Episode“ von „The Longest Day“ zu drehen. Die Co-Produktion „The Visit/Der Besuch“ nach Dürrenmatt wurde 1964 eine neue Etappe in seinem Schaffen, und 1965 holte er sich Marlon Brando vor die Kamera in dem Thriller „Morituri“.
Es kamen nun Fernsehaufträge für Literaturverfilmungen: „Das falsche Gewicht“ nach Joseph Roth (1971), mit Helmut Qualtinger und Agnes Fink, über den Fall der Habsburger Dynastie, „Karpfs Karriere“ nach Günter Kunert (1972) und „Die Eroberung der Zitadelle“ nach Günter Herburger - „mein Protestfilm“ (Wicki in: Bernhard Wicki: Regisseur, ein Film von Charlotte Kerr) - sind die wichtigsten Regiearbeiten Wickis für den Bildschirm. Dieser Film ist auch sein „Purgatorium. Danach ist er frei“ (Charlotte Kerr).
Sein bisher letzter Film: „Das Spinnennetz“ (1989), ebenfalls nach Joseph Roth, ist ein bemerkenswerter Werk über den Aufstieg des Nazismus’.
Agnes Fink
Seine Frau, mit der er fünfzig Jahre verheiratet war, war die feinfühligen ausdrucksstarken Schauspielerin Agnes Fink, eine der großen Charakterdarstellerinnen des deutschen Theaters und Films. Sie starb nach langer Krankheit, am Freitag, den 28. Oktober, dem 75. Geburtstag von Bernhard Wicki.
Sie wurde schon durch ihre erste Darstellung in „Die schmutzigen Hände“ von Jean-Paul Sartre im Fernsehen bekannt. Für ihre eindringliche Gestaltung in „Der schöne Gleichgültige“ nach Jean Cocteau, erhielt sie den Deutschen Fernsehpreis 1957.
Mit ihr gastierte Bernhard Wicki zweimal im Escher Theater, und zwar am 20. Februar 1976 in Neil Simons „Dachlawine“ und am 25. Oktober 1980 in der „Altmodischen Komödie“ von Alexej Arbussow.
Agnes Fink wäre am 14. Dezember 1994 ebenfalls 75 geworden.
Guy Wagner
Nachtrag: Bernhard Wicki ist am 5. Januar 2000 in München verstorben.
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