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Critique D'Sakgaass


Theater als politische Arbeit

Zur Aufführung der „Sakgaass" am 16. Februar Die „Huwwelbänk" hat am Samstag in Bettemburg dem luxemburgischen Dialekttheater ein bedeutendes Stück Emanzipation von sich selbst geschenkt: Sie führte auf überzeugende Weise den
Beweis, daß ein zeitkritisches und politisches Stück in Mundart sehr gut möglich sein kann.

Der Wille zum engagierten Theater genügt nicht, dazu gehört auch ein Können. Und die „Huwwelbänk" bewies, sowohl vom Text als vom Spiel her, daß sie auch darüber verfügt. Weite Strecken der Dialoge aus der „Saakgaass" muß man zu dem sprachlich und gedanklich Besten rechnen, was unsere Dialektbühne aufzuweisen hat. Die Aktualität sowohl des Inhalts als auch der sprachlichen Form, die wirkliche Relevanz der Thematik, das alles entlarvt zugleich die verlogene Gekünsteltheit der meisten einheimischen Theaterproduktionen.

Gerade die Sprache war so unkompliziert und doch so gut, so „sauber", daß von nun an eine Reihe Besserwisser in puncto Luxemburgisch auf der Bühne mit ihren eigenen Ergebnissen als wahre Stammler dastehen.

Aber die Aufführung war nicht nur sprachlich und inhaltlich interessant, auch schauspielerisch hatte sie eine ausgezeichnete Qualität. Aus dem Kollektiv sind meiner Meinung nach besonders Josy Braun, Liette Stoos und Paul Feipel herauszustreichen. Josy Braun hat exzellente Momente als cholerischer Comingman innerhalb einer Rechtspartei, und Liette Stoos ist ganz gewiß eine der interessantesten Frauenfiguren in unserem besonders in den weiblichen Rollen meist miserabel besetzten Dialekttheater.

All das macht klar, daß die gelegentlichen Stereotypien im Spiel, besonders Verlegenheiten im Umherstehen, in Zukunft durch mehr Routine auszumerzen sein werden.

Die „Sakgaass" hat gewiß Schwächen, aber nicht sie sind diesmal wichtig. Wichtig ist vielmehr, daß ein Stück Zeitwahrheit auf die Bühne kommt, daß brisante Themen angepackt sind, daß das Seichte verbannt ist, das Unwahre.

Man muß der „Huwwelbänk" empfehlen, das Stück möglichst oft zu spielen, ohne zu große Rücksicht auf Zuschauerrekorde, und zwar besonders vielleicht auf dem flachen Land. Wird das Theater konsequent als politische Arbeit verstanden, dann ist es wohl nebensächlich, ob Esch oder Luxemburg das Stück „akzeptieren".

Es sei noch folgendes gesagt: Was denken sich eigentlich verschiedene Skandalwütige? Nichts schadet doch gerade einem so seriösen Stück mehr als billige Sensationsmache. Denn gerade die ist es doch nicht, sondern ein ernstzunehmendes Stück um einheimische Zustände.

In Prophetie und Prophezeiung über die Rolle dieser „Saakgaass" innerhalb des luxemburgischen Theaters zu fallen, wäre gewiß fehl am Platz. Dennoch: Es ist meiner Meinung nach vielleicht das beste Stück, was wir im Moment vorzeigen können. Zumindest ist es das Ehrlichste, das Wichtigste.


© Mars Klein, tageblatt, 2., 2.
1974

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