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Eine überfällige Replik

"Feierkrop": Die Enkel des "Stürmers"


I.

"Er hat einen dicken Bauch. Seine Beine sind krumm. Und krumm ist auch seine dicke Nase": Solche Zeilen könnten sehr wohl als Beschreibung einer der menschlichen Zielscheiben des "Feierkrop" in diesem wöchentlichen Hetzblatt stehen, das von sich behauptet, satirisch zu sein.

Seine Vorgehensweise ist die folgende: Man greift die anderen an, indem man auf ihre körperlichen Gebrechen hinweist, ihnen vorwirft kahl oder fettleibig, zittrig oder tatterig, ungepflegt oder verwahrlost zu sein, oder auch "feig, frech, hinterlistig, lügenhaft, augenkrank und hochgradig nervös".

Man gibt ihnen Tiernamen.

Ein Minister etwa wird seit Nummer 1 des Blattes als "Orang Utan" abgetan, "Zeitungs"-Leute als "Nilpferd" und als "Mä-Mä" apostrophiert, ein ehemaliger Journalist des LW, inzwischen freier Medienmensch, als "Schweinchen Dick" abgekanzelt.

Eine brillante und vor allem kompetente Journalistin, die auch Mitarbeiterin des "Forums" ist, wurde sogar als... "Notdurft" beschimpft, wobei man natürlich nicht vergaß, auf ihre deutsche Herkunft anzuspielen.

Ein Satz wie der folgende könnte somit zweifelsfrei als "feierkropisch" identifiziert werden: "... drückte er sich stundenlang, kreidebleich und zähneklappernd mit Tränen in den Augen in den Klosettanlagen herum...", aber, da müßte eine Korrektur angebracht werden: der "Krop" würde nämlich nicht altmodisch von Klosettanlagen, sondern von "Scheißhäusern" sprechen! Ansonsten aber: purer "Feierkrop"-Stil.

II.

Die angeführten Zitate stammen allerdings nicht aus einer der Nummern des einheimischen Kotzblattes, sondern aus der Teufelsküche eines Julius Streicher, und zwar, das erste aus: "Der Giftpilz", die beiden anderen aus "Der Stürmer". Sie bezogen sich auf die Beschreibung von Juden, die, auch in Nazi-Filmen, mit "Ungeziefer", insbesondere mit "Ratten" verglichen wurden.

Streicher wurde im Hauptkriegsverbrecherprozeß in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt; das Urteil wurde am 16. Oktober 1946 vollstreckt. Er hatte den "Stürmer" 1923 gegründet Er erschien "wöchentlich auf billigem Papier, brachte primitive Karikaturen von Juden, abstoßende Fotos, Ritualmord-Geschichten im Holzhacker-Stil und in jeder Ausgabe pornographische Bilder und zotige Texte. Die Auflage stieg langsam, aber kontinuierlich..." (Internationaler Militärgerichtshof Nürnberg).

Diese Beschreibung ist, bis auf wenige Details, für den "Feierkrop" gültig, denn gleich- oder ähnlichlautende Charakterisierungen wie die in Streichers Schandprodukten beziehen sich darin auf Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, die den Fehler begangen haben oder begehen,

1) den Machern des Blattes nicht genehm zu sein,

2) im öffentlichen Leben zu stehen, was das gleiche ist, als zum Abschuß frei gestellt zu sein,

3) in irgendeiner Situation irgendeinen Fehler oder eine auch nur geringfügige Dummheit begangen zu haben.

Damit ist dann der Weg offen, daß sie "ugeschwat" oder "erausgekropt", angegriffen, beschimpft und verhetzt werden, und ich habe Menschen weinen sehen, weil sie sich so in diesem Blatt wiedergefunden haben. Wieder anderen ergeht es wie mir selbst: Falls ihnen je einmal irgend etwas an Lob zukommt, fragen sie sich, was sie falsch gemacht haben; und von noch anderen weiß ich, daß sie sich nicht einmal mehr trauen, noch etwas Öffentliches, auch im kulturellen Bereich, zu tun, aus Angst, von den "Kroperten" in den Mund genommen zu werden. So weit sind wir heute.

Übrigens: Den Escher Traditions-Theaterverein "Liewensfrou" hatten sie nach einer Josy Braun-Premiere fast kaputtgekriegt.

III.

Damit ist verbunden, daß die vom "Feierkrop" Angegriffenen alle mit einem neuem Namen belegt werden, der eine Verhunzung des eigenen und somit ihrer Persönlichkeit ist, und auch das hat Methode und Vorgeschichte: In Nazideutschland mußten die Juden laut Gesetz vom 18. August 1938 entweder "Israel" oder "Sara" als Zusatznamen tragen!

Für die "Feierkrop"-Opfer ist dies ein Schritt weiter auf dem Weg der Entwürdigung, denn, so viel ist jedenfalls klar: Von den Herausgebern des Blattes werden Menschen bewußt und gezielt herabgemacht und in ihrer Ehre verletzt.

Als Beispiel möchte ich nur mich selbst angeben, denn das ist einfacher. Mich hat man bereits ins Egout verbannt..., und dort kriechen bekanntlich auch die Ratten hervor, nicht wahr, das Ungeziefer, das man nicht nur vertilgen sollte, sondern vertilgen muß. Oder etwa nicht? Und sie haben auch geschrieben, daß Heiner Müller nun tot sei, Gikis Wagnerakis (c'est moi, selon eux) aber noch lebe und ihnen das Gegenteil lieber wäre! So weit sind wir gekommen.

So weit sind wir gekommen, daß der Premierminister mit dem Namen "Bokassa" behaftet wird. Man kann gewiß von Herrn Juncker halten, was man will;: ihn aber mit einem der blutdürstigsten Diktatoren des afrikanischen Kontinents in Verbindung zu bringen, ist schlicht und einfach eine Sauerei seitens einer "Krop"-Belegschaft, die zusammengenommen nicht im entferntesten an sein Wissen, sein Können und sein Geschick heranreicht.

Doch damit nicht genug. In den letzten Monaten und Wochen haben die Zeitungsbastler immer wieder versucht, die Grenzen des schlechten Geschmacks noch etwas weiter hinauszuschieben und an Tabus heranzugehen, die wenigstens bei uns noch ihren Wert haben, und auch dies ist ihnen nun geglückt: In der inzwischen berüchtigt gewordenen Sondernummer zum 5. Jubiläum haben sie "Sun", "National Enquirer", "Bild" und andere exkrementielle internationale Zeitungsprodukte glatt überflügelt.

IV.

Daß man im "Feierkrop" den Menschen ihre Namen nicht läßt, ist die eine Seite, die andre ist, man das eigene Geschreibsel ausschließlich mit Pseudonym versieht.

Kein einziger Text ist mit vollem Namen unterzeichnet, resp. auch nur mit den eigenen Initialen abgezeichnet, und jeder einzelne dieser Schreibtischtäter verwendet auch gleich mehrere Pseudonyme, hinter denen er sich verstecken kann, um so aus vermeintlich sicherem Hinterhalt seine Giftpfeile abzuschießen.

Einer nur hat einmal seinen Namen genannt, dafür aber gleich auch dem Angegriffenen, der den "Kroperten", – oder sollte man sagen: den "Toperten"? – ihre Feigheit der Anonymität vorgeworfen hatte, zu verstehen gegeben: "Frisoni, je te pisse dessus!" Das war J.-M. Treinen, einer, der wenigstens schreiben kann, der aber in dem Umfeld, wo er mitarbeitet, so in den Sog von Vulgarität und Obszönität hineingerissen wurde, daß er nun genau so kotzengrob wie die andern geworden ist.

V.

Gerade Schreiber aber, die sich sozusagen zu Offenbarungsjournalisten für ein ganzes Land aufspielen wollen und die Ambition haben, das den Leuten zu sagen, was die übrige Presse aus welchen Gründen auch immer, verschweigt, müßten mit einer verfeinerten Deontologie vorgehen, so wie dies etwa der französische "Canard enchaîné" seit Jahrzehnten tut. Er veröffentlicht Unbekanntes nur, wenn seine Quellen mehrmals und mehrfach abgesichert sind.

Das ist allerdings nicht die Art des "Feierkrop".

Es ist klar, daß je mehr Frustrierte es hierzulande gibt – vor allem im öffentlichen Dienst, wo das Schund- und Schandblatt den Großteil seiner Leser her bezieht –, desto mehr neidet man dem anderen, was er hat oder was er kann, und so versucht man, einerseits etwas über jene zu erfahren, die nun einmal das Sagen haben, und da ist jeder Klatsch und Tratsch im "Krop" gut genug, andrerseits ist man aber auch allzu gern bereit, sein eigenes Pfefferkörnchen zum nationalen "Beschass" beizutragen und die Blattbastler mit Informationen zu versehen.

Erstmals wurde so in Luxemburg Denunziation zur Informationsgrundlage erhoben.

Daher findet man denn immer wieder Dokumente im "Feierkrop", die überhaupt keine Öffentlichkeit verdient hätten und nun hochgespielt und als "Top Secret"-Ware ausgereizt werden, natürlich meistens, ohne daß irgendwie nachgeprüft worden wäre und noch viel weniger, daß man den Zusammenhang, in dem sie entstanden, ebenfalls veröffentlichen würde.

Aus ihrem Zusammenhang gerissen, aber ist auch eine echte Information höchstens noch eine Halbwahrheit. So daß immer nur Quentchen von Wahrheit in einem manchmal ekelerregenden Tümpel von Verdächtigungen, Vermutungen, falschen Behauptungen und Insinuationen herumschwimmen. Doch genau dies ist der Nährboden des "Beschass", von dem man weiß, daß immer etwas hängen bleibt – "wou et dämpt, as Feier!"–, wie bereits Beaumarchais in seinem "Barbier de Séville" festgestellt hat: "(...) de bouche en bouche il va, le diable... Un chorus universel de haine et de proscription."

VI.

Und der Nährboden des "Feierkrop" ist der Haß, so wie er es für den Faschismus oder den Poujadismus ist. Die Kommentare des nationalen Mistblattes gehen denn auch so recht in die Richtung eines latenten Rassismus und Fremdenhasses.

Fremdenhaß? Man lese einmal die Bewertung oder vielmehr die Abwertung von anderen Nationen und Menschen anderer Länder, wobei sich die Feuerhakentäter insbesondere die unterschwellige Feindlichkeit, die bei uns doch gerade gegenüber wenigstens zwei unserer Nachbarn besteht, zunutze machen. Zitat: "Armes Deutschland, du tust uns ja so leid! Hi! Hi! Hi!" Dies sagt eigentlich schon genug.

Rassismus? Man lese nur die Beschreibungen, die die Autoren von ihren Opfern geben. Beim "Krop" fällt allerdings insbesondere sein Frauenhaß auf, der nun aber nicht wundert, sofern man die Lebensläufe der drei hauptsächlichen Protagonisten des Blattes: Jacques Drescher, Léon Claus und René Clesse auch nur ein wenig kennt...

Wollte man diese Bande aber mit ihren eigenen Waffen bekämpfen, so müßte man auf ihr Niveau hinabsteigen, und das muß man sich schon aus Selbstrespekt verwehren. Man sollte sie allerdings darauf aufmerksam machen, daß man noch so manches aufdecken und auch belegen kann.

Fest steht, daß die von den "Krop"-Ausbrütern abgeschossenen Giftpfeile, vor allem Ausdruck des eigenen Frustes und des Neides sind gegenüber jenen, die ihren Weg gehen und im Leben weiterkommen, was man keineswegs von dieses "Trio infernal" behaupten kann. Nur eins noch dazu: Es fällt immer wieder auf, daß gerade Menschen, die Brötchengeber der drei waren, – etwa den Verantwortlichen in tageblatt; OGBL oder 100,7, – heute mit einer speziell abgemischten Ladung an Haß, Häme und Hetze "gedankt" wird.

VII.

Solche, die sich wöchentlich zu den Richtern und gleichzeitig Henkern der ganzen Nation aufspielen, müßten selbst natürlich die nötigen intellektuellen und vor allem moralischen Grundlagen haben, die sie dazu berechtigen könnten. Doch genau die fehlen ihnen.

Persönlich weiß ich allerdings sehr wohl, wo der Haß dieser Kerle gegen mich herkommt. Und daher dann doch Beispiele, was sie aus diesem Haß machen, um zu verletzen, und wie nahe sie den Streicherchen Grundprinzipien der Vernichtung durch Verbalterror gekommen sind.

Ich wurde und werde weiterhin beständig zum "Rücktrittsweltmeister" gekürt. Dabei hatte ich in meinem Berufsleben genau vier Tätigkeiten, davon drei vollberuflich. Zweimal bin ich von meinem Amt zurückgetreten, das ist wahr. Mehr als zwei Rücktritte kannte aber Drescher bis heute auch schon, und wieviele solcher fliegenden Wechsel Großguru Léon Claus hinter sich gebracht hat, – von ARBED zu OGBL, von "Zeitung" zu "tageblatt", von "100,7" zu "Land" und von dort zum sogenannten "freien Journalisten" –, sei dahingestellt, er sollte allerdings etwas vorsichtiger sein, wenn er mir zudem Ungepflegtheit oder sogar Verlotterung anhängt, da gerade solche Verleumdungen zum Boomerang werden können: "E wëldst!", sagte mir eine seiner unzähligen "Ex".

VIII.

Und vergeßlich sind sie zudem, die drei, besonders, was die eigene Vergangenheit angeht.

Zwar wirft René Clesse einen "Blick zurück im Zorn", und kommt in seinem "Bananen-Song" zur feinsinnigen Schlußfolgerung. "im osten kann man keine chiquita kriegen / und überhaupt darf der kommunismus nicht siegen" (sic!), doch seit er diese "Texte, Songs und Agitprop-Lyrik, entstanden zwischen 1972 und 1975" herausgab, die bei ihrer Veröffentlichung bereits "etwas angestaubt" waren, wie Clesse selbst schreibt, hat er sich durch keinerlei Leistung irgendwelcher Art mehr hervorgetan... Halt, doch! Er hat eine wunderschöne Übertragung ins Luxemburgische des Brel-Liedes "Les vieux" gemacht!

Hat der sich heute als viszeraler Kommunistenhasser gebärdende Jacques Drescher nicht lange Jahre diesem System auf besonders ergreifende Weise gehuldigt? Hat er nicht zur Verteidigung des kommunistischen Bulgariens 1985 ein Buch veröffentlicht: "Der Papst und der Mörder. Die Manipulation des Ali Agca", in dem er "gründlich recherchiert" habend, aufzeigt, was "hinter dem Komplott gegen den Papst steckt, und wer die wirklichen Drahtzieher sind"? Ist er deswegen nicht von Todor Schiwkows Regime mit einem prächtigen Orden ausgezeichnet worden? Hat er nicht im selben Jahre 1985 geradezu hymnisch von den XII. Weltfestspielen der Jugend und Studenten berichtet mit persönlicher Hetze gegen die Hetze des "Wort", dem er vorwarf, daß dessen Korrespondenten ihm "genau die Informationen liefern, die sie haben wollen, um ihre Vorurteile und Lügen unter ihrer Leserschaft verbreiten zu können"?... Entspricht doch ganz dem Geiste des "Feierkrop", oder nicht?

Es kommt allerdings noch schöner!

1973 gaben Guy Rewenig und ich kurze Zeit eine schlechte Wochenschrift, namens "kritik hebdo", heraus, in der wir auch "Namen nannten", allerdings die vollen Namen hinschrieben. Damals erhielten wir ein entrüstetes Schreiben, das ich in Auszügen wiedergebe:

"Gibt es für die Herausgeber nichts Wichtigeres zu tun, als miesen Beschiss aus zweiter und dritter Hand aufzuwärmen und mit hochstapelnder Unverfrorenheit als politische Nachrichten zu verkaufen?

(...) Es lässt sich ebenfalls nicht verbergen, dass bei der Auswahl der Themen die persönlichen Ressentiments und privaten Rankünen der Herausgeber eine grosse Rolle spielen.

(...) Das ist nicht nur unfair, das ist genau die Methode, die wir den Brüdern aus der rechten Ecke so übelnehmen.

Ihr solltet das verbale Furzen den roten und schwarzen Wühlmäusen überlassen, die können's lauter."

Unterzeichner des Briefes ist... Léon Claus (Redakteur der KP-"Zeitung vum Letzebuerger Vollek") höchstselbst, der aktuelle Landesmeister auf diesem Gebiet...

IX.

Am besten ist demnach, man faßt den "Feierkrop" überhaupt nicht an, denn man läuft Gefahr, daß nachher die Finger nach Scheiße stinken.

X.

Schlußfolgerung: An solchen Enkeln hätte Julius Streicher zweifellos seine helle Freude gehabt.

Guy Wagner


in "Forum", Januar 1999

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