Still
und diskret hat er uns für immer verlassen. Sein Tod war
so wenig auffällig wie sein Leben.
Seit er seine Galerie am Boulevard Royal hatte aufgeben müssen,
seit er sich zurückgezogen hatte, ohne daß man wußte,
wohin, ist kaum mehr als ein Jahr vergangen, und gewiß
hat die Enttäuschung über die mangelnde Unterstützung,
die er am Ende seiner Tätigkeit als Galerist erhalten hatte,
an seinen Lebenskräften gezehrt.
Nun kann man nichts weiter für ihn tun, als sein Andenken
hochzuhalten und über sein Grab hinaus die Erinnerung an
ihn zu bewahren, so wie er war: Still und diskret, voll Aufmerksamkeit
für jeden, der zu ihm kam, immer bereit, neue Talente zu
unterstützen, sobald er sie als solche eingeschätzt
hatte.
Wer von unsern großen zeitgenössischen Künstlern
ist nicht – in der Kapuzinergasse, gegenüber dem
Alten Theater, und später am Boulevard Royal – von
ihm unterstützt worden! Wie viele wurden durch ihn bekannt,
wie vielen hat er eine (erste) Ausstellung ermöglicht!
Unzählige Kontakte hatte er zum Ausland, zu den bedeutendsten
Galerien. Sein Wissen um zeitgenössischen Kunst, das er
sich zielstrebig angeeignet hatte, machte ihn zu einem echten
Kenner, der sich daher skeptisch über ihre Entwicklung
äußern konnte, der aber auch, trotz allem Pessimismus,
immer wieder und immer aufs neue bereit war, einen Künstler
von hierzulande oder aus dem Ausland, den er entdeckt hatte,
auszustellen und ihm die Möglichkeit zu geben, bekannt
zu werden. Viel wagen, oft verlieren, das war seine Lebenshaltung.
Die Gefahr, einsam zu werden, lauerte immer auf ihn, er hat
ein schweres Leben gekannt. Sein Stolz aber bestand darin, nie
zu klagen, bescheiden zurückzutreten und zu wissen, was
er, trotz aller Rückschläge, als Lebenswerk aufzählen
konnte.
Gerade dieses Lebenswerk aber wird über sein Scheiden aus
dieser Welt hinaus seine Spuren hinterlassen, und bei jeder
Ausstellung, zu der wieder ein Künstler, in der Aufzählung
seiner früheren Ausstellungen, die „Galerie Horn"
zitiert, werden wir an ihn erinnert.
Er war ein Mensch, der zu gut war, um sich gegen die Welt des
kalten „Business" zu wehren, aber über sein
Grab hinaus hat er diese Kälte besiegt durch seine Generosität
und seinen Glauben, daß er doch immer wieder einen neuen
Künstler fördern könnte.
Darin lag sein Größe. Sie ehrt ihn und macht ihn
unvergeßlich. |