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In memoriam Ernest Horn

Guy Wagner

Still und diskret hat er uns für immer verlassen. Sein Tod war so wenig auffällig wie sein Leben.

Seit er seine Galerie am Boulevard Royal hatte aufgeben müssen, seit er sich zurückgezogen hatte, ohne daß man wußte, wohin, ist kaum mehr als ein Jahr vergangen, und gewiß hat die Enttäuschung über die mangelnde Unterstützung, die er am Ende seiner Tätigkeit als Galerist erhalten hatte, an seinen Lebenskräften gezehrt.

Nun kann man nichts weiter für ihn tun, als sein Andenken hochzuhalten und über sein Grab hinaus die Erinnerung an ihn zu bewahren, so wie er war: Still und diskret, voll Aufmerksamkeit für jeden, der zu ihm kam, immer bereit, neue Talente zu unterstützen, sobald er sie als solche eingeschätzt hatte.

Wer von unsern großen zeitgenössischen Künstlern ist nicht – in der Kapuzinergasse, gegenüber dem Alten Theater, und später am Boulevard Royal – von ihm unterstützt worden! Wie viele wurden durch ihn bekannt, wie vielen hat er eine (erste) Ausstellung ermöglicht!

Unzählige Kontakte hatte er zum Ausland, zu den bedeutendsten Galerien. Sein Wissen um zeitgenössischen Kunst, das er sich zielstrebig angeeignet hatte, machte ihn zu einem echten Kenner, der sich daher skeptisch über ihre Entwicklung äußern konnte, der aber auch, trotz allem Pessimismus, immer wieder und immer aufs neue bereit war, einen Künstler von hierzulande oder aus dem Ausland, den er entdeckt hatte, auszustellen und ihm die Möglichkeit zu geben, bekannt zu werden. Viel wagen, oft verlieren, das war seine Lebenshaltung.
Die Gefahr, einsam zu werden, lauerte immer auf ihn, er hat ein schweres Leben gekannt. Sein Stolz aber bestand darin, nie zu klagen, bescheiden zurückzutreten und zu wissen, was er, trotz aller Rückschläge, als Lebenswerk aufzählen konnte.

Gerade dieses Lebenswerk aber wird über sein Scheiden aus dieser Welt hinaus seine Spuren hinterlassen, und bei jeder Ausstellung, zu der wieder ein Künstler, in der Aufzählung seiner früheren Ausstellungen, die „Galerie Horn" zitiert, werden wir an ihn erinnert.

Er war ein Mensch, der zu gut war, um sich gegen die Welt des kalten „Business" zu wehren, aber über sein Grab hinaus hat er diese Kälte besiegt durch seine Generosität und seinen Glauben, daß er doch immer wieder einen neuen Künstler fördern könnte.

Darin lag sein Größe. Sie ehrt ihn und macht ihn unvergeßlich.


© Guy Wagner, Tageblatt, Phare - 11.2.1984

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