Aus:
"Christiane"
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Das
Anziehen ging schnell. Heute musste es das warme, grüne Kleid
sein, darüber der
gleichfarbene, samtene, mit Pelz besetzte Umhang mit der Kapuze. Sie
war
bereit. Babette lief hinunter und befahl dem Fuhrmann: „Schwager,
fahr die Kutsche vor!“ |
![]() Christiane von Thun |
Wappen
der Lichnowskys
Nachdem
Babette das Treppchen hochgeklappt und die Kutschentüre
geschlossen hatte,
drückte sich Christiane in den Fond des Wagens, beide Hände
tief in ihrem
warmen Muff vergraben.
„Frag
mal
nach, was los ist!“
„Was
sagst
du da?“, fragte die Fürstin und erbleichte.
„Mozart
ist tot, gnädige Frau!“
„Wer
sagt
das?“
„Alle
sagen es, gnädige Frau!“
„Wann
ist
er gestorben?“
„Heute
Nacht, sagen sie.“
Christiane
schloss die Augen:
„Das
kann
nicht sein, das kann nicht wahr sein. Da muss ich mich vergewissern.“
Sie
rief
Niklaus herbei, der den beiden Frauen gefolgt war:
„Trag
die
Körbe in den Wagen. Ich will zur Rauhensteingasse.“
Zu
Sabine
sagte sie:
„Folge
mir.“
Kurz
entschlossen bahnte sie sich einen Weg durch die Leute zurück zur
Kutsche.
„Seine
Wohnung ist nicht weit von hier.“
Die
Kutsche
kam am Stephansdom vorbei und die Frauen bekreuzigten sich während
Niklaus den
Hut leicht lüpfte.
„Warte
auf
uns.“
„In
Ordnung, Herrin.“
Der
Kutscher hielt. Christiane stieg aus. Sabine lief an ihre linke Seite.
Sie sahen,
dass bereits Menschen vor dem Hause standen, das die Ecke bildete und
das man
das „kleine Kaiserhaus“ nannte. Die Leute schauten nach oben.
Christiane
wusste, dass die Wohnung der Mozarts im ersten Stock lag. Die
Vorhänge der
beiden Fenster, die auf die Gasse hinausgingen und des dritten, das zur
Himmelpfortgasse hin ausgerichtet war, waren zugezogen.
Auszug aus der ersten von drei Kurzgeschichten, die unter dem Titel "Der Herr und der Meister" in der Kulturzeitschrift "Galerie" Ende März 2006 erschienen sind. © Guy Wagner, 2003-2006