tageblatt:
„Antigone“
im LTAM
Probenbild. Photo Keven Erickson„Antigone“
von Jean Anouilh gehört bestimmt nicht zu den einfachsten Theaterstücken.
Wenn eine Schülertheater-Gruppe sich an dieses Stück heranwagt,
dann muss es schon einen besonderen Anlass geben. Für die Schüler
der Theatergruppe –„Les Cyranos“ des Lycée Technique des Arts
et Métiers war es das Europäische Jahr gegen Gewalt gegen
Frauen und Mädchen. Auf der Suche nach einem geeigneten Stoff
stießen sie auf „Antigone".
Am
Mittwoch fand im Festsaal des LTAM die Premiere statt.
Wer
sich Schülertheater als trockenes und langweiliges Herunterspielen
eines modernen Klassikers vorstellt, wurde hier eines besseren belehrt.
Die Begeisterung, mit der alle Mitwirkenden bei der Sache waren, übertrug
sich sehr bald auf das Publikum. In luxemburgischer
Sprache
Anouilhs
Stück wurde von Guy Wagner auf Luxemburgisch übersetzt –
das erleichterte nicht nur den Schülern die Arbeit, da sie sich
in ihrer gewohnten Sprache ausdrücken konnten und dadurch wesentlich
natürlicher auftraten, sondern es machte auch den Zuschauernden
Stoff zugänglicher. Das Einfügen der Chorteile aus Sophokles’
„Antigone“ erwies sich ebenfalls als eine sehr glückliche Wahl.
Das Stück wurde auf diese Weise gut strukturiert und aufgelockert.
Dank
eines Subsids des Unterrichts- und des Frauenministeriums brauchte
auch nicht am Bühnenbild bzw. an den Kostümen gespart zu
werden. Schlicht, aber sehr wirkungsvoll wurde von den Verantwortlichen
der Kontrast zwischen Schwarz und Weiß ausgereizt, und sehr
symbolhaft erschien der böse Creon im grauen Anzug.
Das
Beeindruckendste an dieser ausgezeichneten Produktion war jedoch die
Leistung der Mitwirkenden. Nachdem die anfängliche Premieren-Nervosität
überstanden war, meisterten die Hauptdarsteller Conny Waldbillig
(Antigone), Claude Sartorius (Creon), Chantal Schroeder (Amme), Carole
Doffing (Ismene) und Pit Reichert (Hemon) die schwierigen und langen
Dialogszenen ohne „Hänger“ und absolut glaubwürdig. Sie
alle verstanden es, sich voll in ihre Rolle hineinzuversetzen. Aber
auch die Nebenfiguren, wie zum Beispiel die Wachen (David Rollo, Andy
Lamesch, Pit Mertens) oder die Prolog-Sprecherin (Alexa Junker), sowie
die Chormitglieder führten ihre Rollen ausgezeichnet aus. Es
war der Theatergruppe anzumerken, dass „Antigone" für sie kein
Pflichtstück ist, sondern dass sie wirklich mit viel Spaß
und Enthusiasmus unter der Leitung von Jacqueline Weber-Hengen und
Guy Wagner gearbeitet hat. Und
das Resultat braucht den Vergleich mit den Produktionen semi-professioneller
Theatergruppen wirklich nicht zu scheuen. Rita Brors
tageblatt,
10.7.1999
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