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Tony Bourg - Der gute Lehrer

Guy Wagner



Tony Bourg avec ses élèves
à Colpach
Als Tony Bourg - für uns nur: Buurgs Tunn - im Sommer auf immer von uns ging, war mir bewußt, daß uns nun doch mehr fehlen würde als ein Lehrer, den man immer noch und immer wieder um Rat fragen konnte.

Mit Leopold Hoffmann, Ernest Bisdorff und Marcel Engel, mit Emile Pier und Gilbert Trausch gehörte er zu denen, die mir diskret, still, unaufdringlich meinen Weg zum „Professor" Woche für Woche vorgezeichnet hatten.

Das war vor mehr als zwanzig Jahren. Ich stand am inneren Scheideweg meines Lebens und nahm damals 'mit 31 Jahren das Studium an den reformierten „Cours universitaires" wieder auf, neben meiner täglichen Arbeit als Lehrer.

Die Bourg, Hoffmann, Bisdorff, Engel, Pier, Trausch halfen mir.

Sie gaben mir die Möglichkeit, daheim das meiste an Arbeit zu tun. Ich mußte nicht an allen Schultagen da sein, denn sie stellten gute Hinweisschilder auf, sie steckten klare Wegweiser in einen für den Ungeübten beschwerlichen Pfad voller Hemmnisse und Stolpersteine, der durch ein schier undurchsichtiges und undurchdringliches Gestrüpp führte.
.

So kam ich weiter, langsam, behutsam.

Sie hielten mich davon ab, Angst zu haben. Ich wußte, ihre Hinweise waren richtig, sie führten, wenn
ich nur wollte, zu einem Ziel, über das Lehrer und Schüler sich einig waren.

Für Tony Bourg ging es dabei um mehr als ums Lehren und Lernen. Es kam ihm auf das Wissen an, das Wissen durch Verstehen. Also teilte er uns sein Veständnis der Autoren mit, damit wir erkennen konnten, auf was es nicht nur ihm selbst eigentlich ankam.

Eine Chance hatten sie ja auch, unsere Lehrer an den „Cours universitaires": Sie konnten, wenigstens teilweise, glaube ich, den Stoff unterrichten, den sie selbst liebten. Und so sprach „Poldi" über den Realismus, den Naturalismus oder auch den Expressionismus, während Tony Bourg uns Racine und Voltaire so nahe brachte, daß sie uns vertraut wurden.

Und indem sie uns vertraut wurden, bekamen wir auch Vertrauen zu ihnen und Vertrauen zu dem,
der uns über sie sprach. Er gab uns Vertrauen in uns selbst.

Es war dies ein Geschenk, das schönste überhaupt, das mir Tony Bourg und seine Kollegen in jenen
Tagen geben konnten. Es wurde meine Lebens-Hilfe.

Der gute Lehrer ist tot. Seine Hilfe lebt aber weiter in mir, wie in vielen, vielen anderen, denn nun
können wir ohne ihn weitergehen, und zurückschauen.

 

© Guy Wagner, Kulturelles Tagebuch, Phare, nouvelle série n°26 - 8.11.1991

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