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  • Athen 25-XI.73

    Guy Wagner

    sie hatten mitnichten
    blut genug getrunken
    die eingefrorenen totenschädel
    totenkopfobristen
    mörderfratzfaschisten
    in den ausgedorrten Straßen
    von saloniki patras und athen

    sie wollten schreie hören die halunken
    sich an elektroden knüppel-
    schlägen starr auf hoden
    aufputschen
    die putschistenrüpel
    weiter sich an blut berauschen
    in der rue mesogian die rädels-
    führer frei nach heil mein führer
    vierzig jahre später
    lassen sie die hitlersaat des todes
    aufgehn in den straßen
    von saloniki patras und athen

    der krätzekranke räudge aasvertilger
    den sie zum phönix kürten
    schlürft weiter von dem blute
    des prometheus in den straßen
    von saloniki patras und athen

    und sie stinken schon vom moder ihrer morde
    die hurenböcke mit den goldnen orden
    und den cia-besohlten unterdrückerstiefeln
    die auf qualen freier menschen
    säbelrasselnd weitertollen
    auf ihrem langen marsch
    durch nacht und barbarei
    kneifen sie den fetten schinder-
    arsch zusammen und marsch-
    ieren wieder los soldatentiere
    panzer rollen panzer rollen rollen
    durch die ausgedorrten straßen
    von saloniki patras und athen

    sie schreiten los um mitternacht
    und sind am ziel im morgengraun
    die ränkeschmiede diese stillen
    die dem mördervater nicht mehr traun
    und ficken den kumpanen finstrer tage
    hinterrücks raus aus der macht
    sie wollen weitermorden an den besten
    für den freien freien nixon-westen
    und den popen der den segen gab
    sie treten an nach cia- und nato-plan
    und schaufeln nur ihr eignes grab
    in den ausgedorrten straßen
    von saloniki patras und athen

    die leeren augen schützen sonnenbrillen
    man sollte nur die angst nicht sehn
    die sie nachts in ihren dunklen mauern
    schwer befällt die eumenidenschatten
    die stumm an ihren betten stehn
    und huschen durch die ausgedorrten straßen
    von saloniki patras und athen

    denn hinter vorgehaltner hand
    im schrei der folter und im hagelschlag
    der falangatortur bricht immer nur
    stumm und schwer das alte griechenwort
    „lefteria" du freiheit seine schmale bahn
    durch die ausgedorrten straßen
    von saloniki patras und athen

    und an dem tag an dem die sonne tanzt
    prometheus feuer auf die mörder gießt
    bouzukiklang die sternenschweren
    nächte heller strahlen läßt dann
    liegen ihre eingefrornen totenschädel
    sonnenbrillen blutbefleckten stiefel
    im gold der freiheitsdüfte die herüberwehn
    von den aufgeblühten straßen
    in saloniki patras und athen


    © Guy Wagner, Tageblatt (Phare), 1.12.1973 - In "Ziviler Ungehorsam" veröffentlicht

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